Geschichte

 

Mit dem Ziel „Kein katholisches Mädchen sollte sich in der Fremde verlassen fühlen", hat sich 1895 der „Marianische Mädchenschutzverein" (so der Gründungsname von IN VIA München) konstituiert. Katholische Frauen aus Adel und Bürgertum ergriffen Partei für Mädchen und junge Frauen der unterprivilegierten Schichten. Sie erkannten die Situation allein reisender, Arbeit suchender Mädchen nicht nur als eine persönliche, sondern als gesellschaftlich bedingte Notlage. Sie suchten nach Wegen und Organisationsformen der individuellen Hilfe und Unterstützung, aber auch nach Möglichkeiten der gesellschaftlichen und politischen Einflussnahme. Gräfin Christiane von Preysing-Lichtenegg-Moos als Vorsitzende und Luise Fogt als erste Geschäftsführerin, prägten das Vereinsziel „Mädchenschutz muss Hilfe zur Selbsthilfe sein". Damit gaben sie Antwort auf die damalige Situation, die Tausende junger Mädchen und Frauen im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts in die Städte zog, um sich dort eine Existenz aufzubauen.

Mitbegründerin des Vereins war auch Ellen Ammann, die 1897 die erste bayerische Bahnhofsmission auf dem Münchner Centralbahnhof gründete - gewachsen aus einem „Empfangsdienst" für allein reisende junge Frauen, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt kamen. Allzu leicht nur gerieten die Mädchen, die sich in den aufstrebenden Städten als Dienstmädchen oder Arbeiterinnen verdingen wollten, in die Fänge von Schleppern und Zuhältern. Wie ihre etwas ältere „evangelische Schwester" in Berlin war die katholische Bahnhofsmission in München Vorbild für weitere Gründungen, die sich 1910 in der Konferenz für kirchliche Bahnhofsmissionen organisierten. Dies war in Deutschland der erste ökumenische Zusammenschluss überhaupt.

Im Laufe der Jahre, vornehmlich in den Nachkriegsjahren, kommen Wohnheime dazu, um den Mädchen und jungen Frauen Übernachtungsmöglichkeiten sowie Beratung und Begleitung anzubieten. Die Mädchenschutzvereine unterhielten ein Netz von Stellenvermittlungen, entwickelten Ausbildungsangebote, insbesondere im hauswirtschaftlichen und pflegerischen Bereich und boten Freizeitaktivitäten an, mit dem Ziel der „Beheimatung der ortsfremden Mädchen".

Der "Marianische Mädchenschutzverein" war die erste überregionale katholische Organisation auf dem Gebiet der Frauenfürsorge und darüber hinaus die erste internationale Verbindung katholischer Frauen. 1965 erfolgte eine Namensänderung in "Katholische Mädchensozialarbeit" und 1994 in "IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit". Heute lautet der Name "IN VIA München e. V. Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit".

Jede Zeit brachte den Bahnhofsmissionen neue Aufgaben und neue Hilfebedürftige: Vertriebene und Heimkehrer fanden nach dem Krieg hier genauso Hilfe wie später ausländische Arbeitssuchende, Aussiedler oder Asylbewerber.

Not hat heutzutage viele Gesichter: Obdachlose, Arbeitslose, psychisch Kranke und Straßenkinder erhalten in den kirchlichen Anlaufstellen genauso Hilfe wie Frauen, die Schutz vor gewalttätigen Männern suchen oder Mädchen, die von Zuhause weglaufen.

Inzwischen haben sich die sozialen Angebote und Hilfeleistungen von IN VIA ausgedehnt. Die Beratung und Integrationsbegleitung eingewanderter Menschen unterschiedlichster Altersgruppen und Nationalitäten, internationale Bildungs- und Freizeitangebote, Kultureinrichtungen sowie die Betreuung unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge sind inzwischen ein Schwerpunkt der Arbeit von IN VIA.

 

 

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